Ein Balkonkraftwerk spart nicht so viel, wie es erzeugt, sondern nur so viel, wie du selbst davon verbrauchst. Das ist der Punkt, an dem die meisten Rechnungen im Netz zu optimistisch werden. Eine Anlage um 900 Wp kommt in Deutschland als Faustregel auf etwa 600 bis 800 Kilowattstunden im Jahr, und davon landet je nach Haushalt ein großer, aber eben nicht der ganze Teil bei dir. Hier stehen drei Rechenbeispiele mit allen Annahmen offen daneben, damit du sie auf deinen Fall umlegen kannst.
Kurz gesagt: Rechne bei einer aufgeständerten Anlage mit rund 900 Kilowattstunden Ertrag je Kilowatt-Peak im Jahr, senkrecht am Geländer mit etwa einem Drittel weniger. Vom Ertrag nutzt ein kleiner Haushalt ohne Speicher erfahrungsgemäß einen großen Teil direkt. Je größer die Anlage, desto kleiner wird dieser Anteil, und genau ab da lohnt sich ein Speicher.
Wie viel Strom eine Anlage überhaupt erzeugt
Die übliche Rechengröße ist der spezifische Ertrag, also Kilowattstunden je Kilowatt-Peak installierter Modulleistung und Jahr. In Deutschland liegt der bei guter Südausrichtung und einer Neigung um 30 Grad als Faustregel bei etwa 900 bis 1.000 Kilowattstunden je Kilowatt-Peak. Standortgenaue Werte kannst du kostenlos beim PVGIS-Rechner der EU-Kommission nachschlagen.
Zwei Abschläge musst du davon einrechnen:
- Senkrechte Montage. Module, die flach am Balkongeländer hängen, stehen im Sommer sehr ungünstig zur hohen Sonne. Als Faustregel liegen sie rund ein Viertel bis ein Drittel unter der aufgeständerten Variante. Im Winter kehrt sich das teilweise um, weil die Sonne tief steht.
- Begrenzung durch den Wechselrichter. Bei 2.000 Wp Modulleistung an einem 800 VA Wechselrichter wird an sonnigen Sommertagen ein Teil abgeschnitten. Über das Jahr gerechnet ist das weniger, als viele denken, aber doppelte Modulleistung bringt eben nicht den doppelten Ertrag.
Wie viel davon in deinem Haushalt landet
Jetzt kommt der Teil, den viele Rechnungen auslassen. Nur der Strom, den du im Moment der Erzeugung auch verbrauchst, ersetzt Netzstrom. Der Rest geht bei einem Steckersolargerät in aller Regel unvergütet ins Netz.
Dabei gilt eine Regel, die auf den ersten Blick überrascht: Je kleiner die Anlage, desto höher der genutzte Anteil. Jeder Haushalt hat eine Grundlast aus Kühlschrank, Router, Standby und Heizungspumpe, die rund um die Uhr läuft. Eine Anlage um 800 Wp liefert mittags oft nicht viel mehr als diese Grundlast, also wird fast alles direkt verbraucht. Eine Anlage um 2.000 Wp produziert mittags deutlich mehr, als ein normaler Haushalt gerade zieht, und der Überschuss geht weg.
Das heißt nicht, dass die kleine Anlage die bessere ist. Sie nutzt nur einen höheren Anteil eines kleineren Kuchens. Unterm Strich spart die größere Anlage trotzdem mehr, nur eben nicht proportional. Und es erklärt, warum ein Speicher erst ab einer gewissen Größe richtig Sinn ergibt.
Drei Rechenbeispiele
Alle Annahmen stehen offen daneben. Angenommener Strompreis: 35 Cent je Kilowattstunde. Das ist eine Annahme für die Rechnung, kein Wert, den wir dir zusichern. Ertragswerte sind Faustwerte für eine gut belichtete Fläche in Deutschland ohne dauerhafte Verschattung. Die Anteile für den Eigenverbrauch sind Erfahrungswerte aus unserer Beratung und keine Messung.
| Fall | Anlage | Ertrag im Jahr (Faustwert) | Davon selbst genutzt (Annahme) | Ersparnis bei 35 ct (Annahme) |
|---|---|---|---|---|
| Zweipersonenhaushalt, Wohnung, Geländer | 900 Wp, kein Speicher | ca. 600 kWh | ca. 70 Prozent, also 420 kWh | rund 145 Euro |
| Familie, Eigenheim, aufgeständert | 2.000 Wp, kein Speicher | ca. 1.600 kWh | ca. 45 Prozent, also 720 kWh | rund 250 Euro |
| Berufstätige, Eigenheim, aufgeständert | 2.000 Wp mit 2,5 kWh Speicher | ca. 1.600 kWh | ca. 80 Prozent, also 1.280 kWh | rund 450 Euro |
Was du an diesen drei Zeilen ablesen kannst: Der Sprung von 900 auf 2.000 Wp bringt ohne Speicher weniger, als die verdoppelte Modulleistung vermuten lässt. Der Speicher dagegen hebt bei derselben Anlage die genutzte Menge fast auf das Doppelte, weil er genau den Überschuss auffängt, der sonst verloren geht. Ob sich das für dich rechnet, hängt an deinem Tagesverlauf, und den gehen wir in Balkonkraftwerk mit oder ohne Speicher Schritt für Schritt durch.
So rechnest du deinen eigenen Fall
Die Tabelle oben ersetzt keine eigene Rechnung, aber sie zeigt das Schema. In vier Schritten kommst du zu deiner eigenen Zahl:
- Ertrag bestimmen. Modulleistung in Kilowatt-Peak mal 900. Bei 1,8 kWp sind das rund 1.620 Kilowattstunden. Hängen die Module senkrecht am Geländer, zieh als Faustregel ein Drittel ab.
- Verschattung abziehen. Wenn eine Fläche regelmäßig ab dem Nachmittag im Schatten liegt, rechne noch einmal zehn bis zwanzig Prozent weniger. Das ist geschätzt, aber ehrlicher als es wegzulassen.
- Genutzten Anteil ansetzen. Ohne Speicher: bei einer kleinen Anlage um 900 Wp etwa 70 Prozent, bei 2.000 Wp eher 45 Prozent. Mit passendem Speicher landest du in beiden Fällen deutlich höher.
- Mit deinem Strompreis multiplizieren. Nimm den Preis aus deiner letzten Abrechnung, nicht einen Wert aus einem Vergleichsportal.
Was in dieser Rechnung bewusst fehlt, ist der Preis der Anlage. Der ändert sich zu oft, um ihn in einem Ratgeber festzuschreiben. Wenn du die Amortisation wissen willst, teile die Anschaffungssumme durch die jährliche Ersparnis, die du gerade ausgerechnet hast. Das Ergebnis ist eine Zahl in Jahren, und sie ist ehrlicher als jede Pauschalaussage.
Was die Ersparnis am stärksten beeinflusst
In dieser Reihenfolge, nach unserer Erfahrung:
- Verschattung. Ein Baum oder Schornstein, der ab dem Nachmittag über die Module wandert, kostet mehr als jede Optimierung an anderer Stelle wieder einbringt.
- Wann du verbrauchst. Wer Wäsche, Spülmaschine und Ladegeräte in die Mittagszeit legt, hebt den genutzten Anteil ohne einen Cent Mehrkosten.
- Neigung und Ausrichtung. Aufgeständert schlägt senkrecht deutlich. Ost oder West statt Süd kostet übers Jahr, verteilt den Ertrag dafür besser über den Tag.
- Modulleistung. Mehr Wp bringt mehr, aber mit abnehmendem Zusatznutzen, solange kein Speicher dahinter hängt.
Wann ein Balkonkraftwerk wenig bringt
Ehrlich gesagt gibt es drei Situationen, in denen wir die Erwartung dämpfen:
Reiner Nordbalkon ohne direkte Sonne. Da kommt so wenig an, dass sich die Anschaffung kaum trägt. Prüf lieber, ob eine Fassade, ein Garagendach oder ein Gartenplatz infrage kommt.
Dauerhafte Verschattung ab Mittag. Eine Anlage, die genau dann im Schatten liegt, wenn sie liefern soll, verliert ihre besten Stunden. Ein anderer Standort schlägt hier jedes größere Modul.
Sehr niedriger Verbrauch. Ein Single-Haushalt mit wenigen hundert Kilowattstunden im Jahr nutzt auch von einer kleinen Anlage nur einen Teil. Hier reicht die kleinste sinnvolle Variante.
So holst du mehr heraus
Das Meiste kostet nichts und ist eine Frage der Gewohnheit. Zeitschaltuhren oder die Startzeitvorwahl an Waschmaschine und Spülmaschine auf die Mittagszeit stellen. E-Bike-Akkus und Werkzeugakkus tagsüber laden statt abends. Warmwasserboiler, falls vorhanden, in die Sonnenstunden legen.
Auf der Technikseite: Wenn du die Module aufständern kannst statt sie senkrecht zu hängen, tu es. Wie das geht, steht in Balkonkraftwerk montieren, die passenden Systeme findest du unter Halterungen. Und wenn dein Verbrauch hauptsächlich abends anfällt, ist ein Speicher aus der Übersicht Batteriespeicher der größte einzelne Hebel.
Was wir dir raten
Wohnung mit Geländer, kein Platz zum Aufständern: Ein Set um 900 bis 1.000 Wp. Mehr Module bringen an der senkrechten Fläche wenig zusätzlich. Sieh dir die Balkonkraftwerk Komplettsets an, zum Beispiel das 900 W Set.
Flachdach, Garage oder Garten mit Platz: Geh auf 1.800 bis 2.000 Wp, zum Beispiel mit dem 2000 W Set. Der Wechselrichter bleibt derselbe, nur Module und Halterung kommen dazu.
Viel Verbrauch am Abend: Speicher einplanen. Sonst verschenkst du genau die Menge, die in der Tabelle oben den Unterschied zwischen 250 und 450 Euro ausmacht.
Welche Größe zu deinem Haushalt passt, rechnen wir im Leitartikel Balkonkraftwerk welche Größe durch. Wenn du im Saarland oder der Grenzregion wohnst, kannst du die Anlage auch bei uns im Lager in Saarlouis abholen und dir die Halterung vorher ansehen. Termine über die Kontaktseite.
Häufige Fragen
Wie viel Strom erzeugt ein 800 Watt Balkonkraftwerk im Jahr?
Als Faustregel zwischen 600 und 800 Kilowattstunden bei guter Belichtung, je nachdem ob die Module aufgeständert oder senkrecht montiert sind. Standortgenaue Werte liefert der PVGIS-Rechner.
Wie viel Geld spare ich pro Jahr?
Das hängt vom genutzten Anteil und deinem Strompreis ab. In den Beispielen oben liegen die Werte zwischen rund 145 und 450 Euro, gerechnet mit angenommenen 35 Cent je Kilowattstunde. Setz deinen eigenen Preis ein, die Rechnung bleibt dieselbe.
Bekomme ich Geld für den Strom, den ich einspeise?
Bei einem Steckersolargerät in aller Regel nicht. Deshalb zählt nur, was du selbst verbrauchst, und deshalb lohnt es sich, den Verbrauch in die Sonnenstunden zu legen.
Lohnt sich ein Balkonkraftwerk bei einem alten Stromzähler?
Ja. Wenn noch ein alter Ferrariszähler verbaut ist, tauscht ihn der Netzbetreiber nach der Registrierung aus. Wie die Registrierung abläuft, steht in unserem Artikel Balkonkraftwerk anmelden.
Bringen zwei Module doppelt so viel wie eins?
Beim Ertrag annähernd ja, bei der Ersparnis nicht. Der zusätzliche Strom fällt mittags an, wo dein Verbrauch meist schon gedeckt ist. Ohne Speicher geht ein größerer Teil davon ungenutzt ins Netz.
Wie lange hält ein Balkonkraftwerk?
Module sind langlebig, Hersteller geben dazu Leistungsgarantien über viele Jahre an, die genauen Werte stehen im jeweiligen Datenblatt. Der Wechselrichter ist meist das Bauteil, das zuerst getauscht wird.
Geschrieben von Lukas Kinkopf, Geschäftsführer SolarGen GmbH. Lukas berät seit Jahren Kunden zu Balkonkraftwerken und Speichern und betreut Lager und Versand in Saarlouis. Fragen zu deiner Situation beantworten wir gern über die Kontaktseite.
Stand: September 2026. Wir aktualisieren diesen Artikel, wenn sich Technik oder Rechtslage ändern.



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